Buchdruck

Der Begriff Buchdruck ist eigentlich irreführend, man müsste von Hochdruck reden. Buchdruck ist historisch gemeint, weil man zuerst Bücher druckte.

Letterpress bietet den unvergleichlichen Charme eines alten Handwerks, das gepaart mit den digitalen grafischen Möglichkeiten einzigartige Produkte zustande bringt. Den Unterschied kann man nicht nur sehen, sondern auch fühlen.
Ursprünglich war der Begriff «Letterpress» nur die englische Bezeichnung für «Buchdruck». Buchdruck ist das gute alte Druckverfahren, welches der berühmte Johann Gutenberg im 15. Jahrhundert erfunden hatte.
Heute meint man mit Letterpress das Drucken auf alten Buchdruckmaschinen, wo wir mit ordentlicher Kraft die erhabene Druckform ins vorzugsweise sehr weiche und dicke Papier pressen. Dieser Vorgang bringt einerseits die Farbe aufs Papier und hinterlässt gleichzeitig eine Prägung. Die Geschichte mit der Prägung galt lange als Fehler und war verpönt. Heute wird genau darauf grössten Wert gelegt.

Nun aber die Geschichte von Anfang an:

Die Schwarze Kunst
Johannes Gutenberg war ein Mann der Leidenschaft. Er hat die Welt 1499 von Mainz aus verändert; die Erfindung des Buchdrucks war eine kulturgeschichtliche Revolution. Dass die Herstellung von Papier (die Weisse Kunst) erst hundert Jahre vorher nach Eurpa kam und mit Gutenberg seinen Siegeszug über das Pergament antreten konnte, kam genau richtig.

Den folgenden Text aus dem optisch schönen und inhaltlich spannenden Buches ist hier nicht als einen Auszug dessen zu verstehen, sondern ein Beschrieb der Arbeitsweise in unserer Werkstatt. Das ist Richtig, im Handsatz hat sich seit dem 15. Jahrhundert wirklich nichts geändert. Im Druck schon.

Gutenbergs Erfindung ist ebenso einfach wie genial: Die Texte werden in ihre kleinsten Bestandteile aufgelöst, das heisst in die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabetes und Einzelelementen wie Klein- und Großbuchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abkürzungen. Durch die Neuordnung der Einzellettern entsteht ein jeweils neuer, sinnvoller Text. Es galt nun, die Idee mit den Einzelbuchstaben, die Gusstechnik und die Exaktheit des Typenmaterials zu erproben. Im Mittelpunkt der Gutenbergischen Entdeckungen steht die Entwicklung eines Giessinstruments, das es ermöglicht, die Gussform genau zu justieren und jeder Type eine exakt gleiche Form zu geben. …
Die einzelnen gegossenen Buchstaben wurden dann nebeneinander in Setzkästen abgelegt, wobei das Prinzip der Praktikabilität vorherrscht, das heisst, die am häufigsten gebrauchten Lettern liegen in der Mitte, genau vor dem Setzer. Die Einzellettern wurden zunächst in einem Winkelhaken zusammengetragen, in dem die einzelne Zeile «ausgeschlossen» werden konnte. Dazu verwendete man neben dem Typenmaterial sogenanntes Blindmaterial, das die Abstände zwischen den Worten ausgleicht. Dieser Winkelhaken war zunächst aus Holz und wurde erst später durch Metall ersetzt. Die einzelnen Zeilen wurden dann in einem Setzschiff, einem stabilen Holzbrett, zu einer Spalte (Kolumne) oder zu einer Seite zusammengefügt. Die ganze Seite wurde dann in einer Form ausgeschlossen, das heisst der genaue Satzspiegel justiert und gegebenenfalls der Durchschuss, das heisst der Abstand zwischen den einzelnen Zeilen, noch einmal durch weiteres Blindmaterial reguliert.
(Druck) Der Satz wurde dann mit einem halbkugelförmigen Lederballen eingefärbt (die von Gutenberg entwickelte Druckerschwärze bestand aus Lampenruss, Firnis und Eiweiss). Das zu bedruckende Papier wurde angefeuchtet, damit es sich besser um das Typenmaterial legen kann, und in einem klappbaren Pressdeckel mit mehreren Nadeln fixiert. Es wurde ein Rahmen darübergeklappt, der genau in der Grösse des Satzspiegels eine Aussparung hatte, damit die Blattränder auf keinen Fall beim Drucken beschmiert werden. Der Wagen mit dem Satz und dem Deckel mit dem Papier wurden dann unter die Druckplatte, den Tiegel, geschoben und der Tiegel mit einem kräftigen Ruck auf das Papier gedrückt. Diesem sogenannten Schöndruck folgt dann der Widerdruck der Rückseite, wobei es die Punkturen (die Nadelspuren) ermöglichten, das Blatt punktgenau einzupassen, damit der Satzspiegel auf beiden Seiten korrekt übereinandersteht. Bedruckt wurden Bogen unterschiedlicher Grösse, in der Anfangszeit jeweils nur eine Seite, später dann zwei, vier oder acht Seiten gleichzeitig, nach dem Trocknen wird die Rückseite bedruckt und dann der Bogen gefalzt. Durch geschickten «Umbruch» werden die sechzehn Seiten so angeordnet, dass sie nach dem Falzen in der richtigen Reihenfolge liegen.

 

Gutenbergs Meisterwerk, die 42zeilige Bibel

Als Krönung von Gutenbergs Druckkunst ist die 42zeilige Bibel anzusehen. Das zweibändige Werk mit insgesamt 1282 Seiten entstand in der Blüte seines Schaffens mit Hilfe von etwa 20 Mitarbeitern. Die farbigen Initialen und Zeichen wurden später von einem Illuminator (Illustrator für die Initialen) und einem Rubrikator (Rotfärber) eingefügt.
Text- und Bildquelle: gutenberg.de / 19.4.2017

1997 wurde Gutenbergs Buchdruck vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends gewählt, und 1999 kürte das amerikanische A&E Network den Mainzer zum «Mann des Jahrtausends».